Jan 30, 2017

Feuerwehrmann aus Leidenschaft


Die MOZ stellt in ihrer Serie "Gesichter aus Oder-Spree" unseren Ortswehrführer Frank Menzel vor
Kategorie: Allgemein
Erstellt von: Justus T.

Neuzelle (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Die MOZ stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute: Frank Menzel aus Neuzelle.

Alles im Blick: Frank Menzel sitzt im Einsatzleitwagen der Freiwilligen Feuerwehr Neuzelle. © MOZ/Gerrit Freitag
 

Frank Menzel ist Feuerwehrmann aus Leidenschaft. "Ich bin fast jeden Tag in irgendeiner Weise mit der Feuerwehr beschäftigt. Sie ist mein einziges Hobby und meine große Leidenschaft", sagt der 34-Jährige. Bereits seit sieben Jahren ist er Ortswehrführer in Neuzelle - und hat damit einen vollen Terminkalender und viel Verantwortung.

Angefangen hat sein Interesse im Jahr 1996. Als 14-Jähriger trat er der Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Neuzelle bei. "Ich war damals auf der Suche nach einem Hobby. Im Fußball hatte ich mich auch ausprobiert, aber das war nicht so meine Sache. Und da ich schon immer sehr interessiert an Technik und Kameradschaft war, bin ich zur Feuerwehr gegangen", erzählt er. Jugendwart war seinerzeit Bodo Laske. "Er war ein Berufsfeuerwehrmann der alten Schule und hat mich sehr geprägt. Zu ihm habe ich als Steppke aufgesehen, genau wie zu unserem Ortswehrführer Karl-Heinz Kess. Das waren meine Vorbilder, wie für andere Jungs Fußballstars."

Als 18-Jähriger wechselte Frank Menzel in die Einsatzabteilung. Von da an war er beinahe jedes Wochenende auf Lehrgängen - meistens im Feuerwehrtechnischen Zentrum Fürstenwalde, wo die Ausbildungen für den Landkreis stattfinden. "Darunter waren zum Beispiel Lehrgänge für Funk, Atemschutz, Maschinist für Löschfahrzeuge, technische Hilfeleistungen und Truppenführer. Ich wollte alle Schulungen absolvieren, um ein möglichst guter Feuerwehrmann zu werden", erklärt er. Anschließend ging es bei der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt mit den großen Lehrgängen weiter - wie technische Hilfeleistung auf Gewässern oder Zugführer.

Bei allem Einsatz und aller Leidenschaft - Berufsfeuerwehrmann wollte Menzel nie werden. "Es war für mich immer nur ein Hobby. Die Feuerwehr bestimmt einen ziemlich großen Teil meiner Freizeit, aber ich will mich nicht täglich 24 Stunden damit beschäftigen. Ich denke, da wird man betriebsblind, außerdem brauche ich Abwechslung." Daher absolvierte er eine Ausbildung zum Heizungsmonteur. Seit einem Jahr ist er im Bauhof Neuzelle als Gemeindearbeiter tätig.

Im Jahr 2008 wurde der gebürtige Eisenhüttenstädter stellvertretender Ortswehrführer, ehe er zwei Jahre später den Vorsitz übernahm. "Das war nicht unbedingt mein Ziel. Aber natürlich bin ich auch stolz darauf, was ich alles erreicht habe." Ende 2015 wurde er für seine außerordentlichen Verdienste mit dem Ehrenzeichen des Kreisfeuerwehrverbandes ausgezeichnet.

Zu seinen Aufgaben als Ortswehrführer gehört unter anderem die Organisation der Dienstabende, die jeden Freitag stattfinden. "Das Gute ist, dass wir viele Gruppenführer in unserer Ortswehr haben, die im Wechsel die Verantwortung übernehmen und die Schulungen durchführen. Da mehrere Kameraden bei der Werkfeuerwehr angestellt sind, haben wir ein hohes Maß an Kompetenz,", erklärt Menzel. Unterstützung erhält er zudem von seinem Stellvertreter Lars Rudolph. "Er nimmt mir viel Arbeit ab und wir sind ein gutes Team."

Die Neuzeller Einsatzabteilung hat derzeit 40 Mitglieder - darunter 18 sogenannte Atemschutzgeräteträger. Dazu kommt die Alters- und Ehrenabteilung, die genau wie die Kinder-Feuerwehr zwölf Mitglieder hat. "Bei den Kindern haben wir eine volle Warteliste. Viele Feuerwehren haben ja Nachwuchsprobleme, das ist bei uns zum Glück nicht der Fall", sagt Menzel nicht ohne Stolz. Sogar 24 Mitglieder gibt es in der Jugendabteilung. Außerdem stellt Neuzelle momentan die Hälfte der zwölf Frauen in der Wettkampfmannschaft der Amtswehr.

Wenn der Pieper losgeht und die Freiwillige Feuerwehr zum Einsatz gerufen wird, muss alles ganz schnell gehen. "Als Einsatzleiter bestimmt man den Maschinisten und entscheidet, welche Fahrzeuge besetzt werden müssen. Ich fahre im Einsatzleitwagen und bin zuständig für die Kameraden. Vor Ort muss ich die Lage einschätzen und Einsatzbefehle geben. Wieder zurück schreibe ich das Einsatzprotokoll und anschließend gibt es eine Nachbesprechung", erzählt Frank Menzel.

Dabei werden auch traumatische Erlebnisse aufgearbeitet. "Wenn wir einen schlimmen Unfall oder Brand mit Personenschaden hatten, reden wir viel darüber - das hilft meistens. Manche Bilder wird man sehr lange nicht los. Wenn es ganz schlimm ist, können wir auch psychologische Hilfe anfordern und das Einsatznachsorgeteam des Landes Brandenburg in Anspruch nehmen."

Auf der anderen Seite gibt es auch leider häufig Fehlalarme. "Gerade im Stift Neuzelle wird in der Schule und im Kloster häufig Alarm ausgelöst, da es dort sehr sensible Brandmelder gibt. Dennoch müssen wir jedes Mal zu einhundert Prozent konzentriert sein - denn wenn doch mal etwas ist, sind wir gefordert", sagt der Ortswehrführer.

Für ihn bedeutet Feuerwehr vor allem Kameradschaft. "Außerdem ist es mir ein Anliegen, Menschen in Notsituationen zu helfen. Und der Umgang mit Technik macht mir viel Spaß", sagt der Autonarr. Seit sechs Jahren ist er auch Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Dieser unterstützt die Ortswehr bei der Anschaffung von Gerätschaften und bereichert zudem das kulturelle Leben im Dorf mit Veranstaltungen wie Maibaumaufstellen oder dem Weihnachtsbaumverkauf. "Als Dank für die geleistete Arbeit der Kameraden unternehmen wir jedes Jahr einen Ausflug."

Bei solch vielen Aufgaben braucht man einen starken Rückhalt. "Wenn der Alarm losgeht, muss ich los. Nicht selten ist das, wenn meine Freundin selbst gerne jemanden zu Hause hätte - wie bei Sturm oder Hochwasser. Aber sie hat großes Verständnis. Froh bin ich auch, dass wir bei der Neuzeller Ortswehr keine Probleme mit den Arbeitgebern haben. Alle zeigen Verständnis, wenn ihre Mitarbeiter zu einem Einsatz gerufen werden. Schließlich könnten sie auch eines Tages unsere Hilfe benötigen."

 

Quelle: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1548320 (30.01.2017)

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